11. Januar 2022

Evangelische Akademie seit 50 Jahren auf Bildungsreise - Festschrift erschienen


Die Ev. Akademie im Saarland feierte kürzlich ihr 50-jähriges Jubiläum. Zu diesem Anlass hat der Köllerbacher Kirchenhistoriker Prof. Dr. Joachim Conrad eine Festschrift verfasst, in der die wechselvolle Geschichte der Erwachsenenbildungsanstalt zusammengefasst wird.

„Bildung ist so etwas wie auf Reisen gehen, einem begegnet viel Ungeplantes, der Blick verändert sich, auf einen selbst und die Welt.  Und man kommt anders zurück, als man aufgebrochen ist“, sagt Pfarrerin Johanna Wittmann. Sie ist die Leiterin der Evangelischen Akademie im Saarland, die kürzlich ihr 50. Jubiläum feierte.

Mitte der 1960er-Jahre ging ein Impuls durch die Evangelische Kirche, wonach die Bildung von Erwachsenen zum christlichen Auftrag gehöre und im kirchlichen Raum zu fördern sei.
In diesem Sinne gründete sich 1964 das Erwachsenenbildungswerk Saarbrücken, aus dem 1971 die Evangelische Akademie im Saarland hervorging. Getragen wird die Einrichtung von einem Verein, zu dessen Mitgliedern insbesondere die evangelischen Kirchenkreise auf dem Gebiet des Saarlandes zählen. Ursprünglich konzipiert als Flächenakademie mit 15 regionalen Abteilungen, laufen die Fäden der Akademie seit 2003 in der Zentrale im ehemaligen Pfarrhaus Völklingen-Wehrden, gleich neben der Auferstehungskirche, zusammen.

Die Gründerväter und -mütter hatten sich viel vorgenommen. Erwachsenenbildung, das hieß damals hauptsächlich Dia-Vorträge, Podiumsdiskussionen oder Seminare, sollte sich nicht auf theologische Themen beschränken, sondern vielmehr – ganz im Sinne der Zeit – gesellschaftliche und ethische Fragen und Initiativen aufnehmen und weitergeben sowie Kreativität erzeugen.

So umfasste das Tableau in den fünf Jahrzehnten ein äußerst breites Spektrum an Veranstaltungen. Gemeinsam hatten diese alle, dass sie sich stets am Puls der Zeit bewegten. Bildungsnotstand und Stahlkrise fanden ebenso ihren Platz wie kircheninterne Kontroversen, etwa zur feministischen Theologie oder zum Verhältnis zwischen Christen und Juden. Ab Mitte der 1980er bis in die 1990er-Jahren kamen verstärkt Angebote zur Sozialökonomie, Umwelt- und Friedensfragen dazu. Aber auch ein Aids-Forum, Medienseminare und Gesundheitskurse, standen im Programm, zwischenzeitlich sogar fernöstliche Meditation.

„Es war in den zurückliegenden Jahren nicht immer sicher, dass die Akademie ihr 50-jähriges Jubiläum feiern kann“, sagt die heutige Akademieleiterin Johanna Wittmann. Mehr als einmal stand die Einrichtung auf der Kippe. Menschliche Zerwürfnisse unter den beteiligten Personen und immer wieder Geldsorgen erschwerten die eigentlich im Vordergrund stehende Bildungsarbeit.

Von Anfang an schwelte ein Streit um die Ausrichtung der Akademie zwischen den maßgeblich an der Gründung beteiligten Laien und den Funktionären der saarländischen Kirchenkreise. Eine der größten Zerreißproben gab es im Jahr 2000. Nach massiven Kürzungen sowohl von kirchlicher wie staatlicher Seite stand die Akademie kurz vor der Auflösung. Es folgte eine lange Phase des Übergangs und der Umstrukturierung.

Nach diesen sehr turbulenten Jahren gelangte die Evangelische Akademie ab 2005 mit Johanna Wittmann als neuer Leiterin erstmals in ruhige Fahrwasser. Zusammen mit dem früheren Superintendent Hartmut Richter, der Vorsitzender des Trägervereins wurde, gelang es der heute 63jährigen Pfarrerin, die Akademie zukunftsfähig zu machen.

Heute stehen Begegnung und gemeinsames Erleben im Vordergrund. Führungen und Exkursionen im Saarland und den benachbarten Regionen mit einem Schwerpunkt auf dem Strukturwandel, Kunst und Kulturdenkmälern, Gesprächskreise und Vortragsangebote sowie Fort- und Weiterbildungen für haupt- und ehrenamtliche Mitarbeitende in Kirchengemeinden und kirchlichen Einrichtungen bilden die tragenden Säulen des Konzepts. In jüngerer Zeit kamen fortlaufend neue Schulungen dazu – ganz am Puls der Zeit etwa zum Umgang mit Medien, zur Prävention vor sexualisierter Gewalt oder ein Achtsamkeitstraining. Neu ist auch der wachsende Bereich Umwelt und Soziales, bei dem die ethisch-gesellschaftliche Dimension in Fragen der Nachhaltigkeit im Vordergrund steht. Das Motto „Bildung durch Begegnung“ habe sich bewährt, betont auch Wittmann.

Zum 50-jährigen Jubiläum der Evangelischen Akademie ist eine Festschrift erschienen. Der Köllerbacher Kirchenhistoriker und Pfarrer Dr. Joachim Conrad fasst darin die wechselvolle Geschichte von den Anfängen bis heute zusammen.

Info: Die Festschrift zum Jubiläum: Conrad, Joachim: Bildung durch Begegnung. 50 Jahre Evangelische Akademie im Saarland, Saarbrücken 2021 [Beiträge zur evangelischen Kirchengeschichte der Saargegend 4]. Wer sich für den Band interessiert, kann sich an die Evangelische Akademie wenden: buero@eva-a.de





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