10. Oktober 2020
Michael Schäfer zu einem aktuellen Thema:

Home-Office - toll


Immer mehr Menschen sehen im Home-Office die ideale Lösung vieler Probleme. Und es klingt ja auch verlockend. Kein Arbeitsweg mehr, kein fremder Arbeitsplatz mit seltsamen Kolleginnen und Kollegen.

Und es ist ja auch en eleganter Begriff: Home-Office – macht was her.

Ich erinnere mich bei dem Begriff aber immer an frühere Zeiten. Und ich muss da gar nicht zurück zu Gerhard Hauptmanns ‚Die Weber‘ gehen, um mich an die Zeiten der Heimarbeit zu erinnern.

Noch in den 1980er Jahren habe ich es erlebt: Heimarbeiterinnen, die in ihren Küchen Hilfsarbeiten für die Industrie verrichteten, z.B. Geldbörsen mir Kärtchen füllten, die Platzhalter waren für Ausweise und Kreditkarten, die in diese Fächer gehörten. Das war für alleinerziehende Mütter (in Zeiten ohne Krippe) die einzige Möglichkeit etwas zu verdienen und für andere Mütter, eine Chance etwas dazuzuverdienen. Dafür saßen sie (schlecht bezahlt) in schummrigen Räumen auf ungeeigneten Stühlen vor dreckigen Kästen und mussten gute Arbeit abliefern, sonst gab es Abzüge.

Heimarbeit war für die Arbeitgeber immer eine gute Alternative, wenn es billig gehen sollte und für viele HeimarbeiterInnen eine Verzweiflungstat, weil sie im normalen Arbeitsleben keine Chance hatten.

Natürlich spiegelt das nicht alles genau wider und unsere Formen der Heimarbeit sehen etwas anders aus. Aber manches erkenne ich wieder. Ungeeignete Möbel, schlechtes Licht, keinen wirklich freien Arbeitsplatz, geschweige denn Arbeitsraum im Home-Office.

Ich denke schon, das wird wichtig bleiben, vielleicht noch wichtiger als der Rechtsanspruch auf Heimarbeit, dass geklärt ist, wie die Bedingungen aussehen, welche Voraussetzungen der Arbeitsplatz zu Hause haben muss und wer die Kosten für die Ausstattung trägt.

Die Gefahr, dass Heimarbeit weiterhin dazu dient, die Löhne und Arbeitsbedingungen zu drücken, sollte nicht übersehen werden – um der Menschen willen.

 

 

Losung für Samstag, den 10.10.2020:

Wenn der HERR spricht, so geschieht's; wenn er gebietet, so steht's da. Psalm 33,9

Jesus stand auf und bedrohte den Wind und sprach zu dem Meer: Schweig! Verstumme! Und der Wind legte sich und es ward eine große Stille. Markus 4,39

 

 

In Gesangbuch steht ein Gebet (eg 927)

Jesus Christus,

öffne meine Augen, dass ich die Not anderer sehe;

öffne meine Ohren, dass ich auch stumme Schreie höre;

öffne meinen Mund, dass ich nicht schweige zu Unrecht und Ungerechtigkeit;

öffne meine Hände, dass ich nicht festhalte, was mir gehört;

öffne mein Herz, dass ich nicht schuldig bleibe, was ich weitergeben kann: Liebe und Hoffnung.

 





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